gGmbH
Das pralle Leben Gespräch in Wittenberg über Lebenswege und Lebensformen Ein Leben ohne Sex, kann das gelingen? Das war eine der Fragen, zu denen am 11. August in Wittenberg fünf Menschen von sich erzählt haben. Im Rahmen der Themenwoche Familie, Lebensformen und Gender machte die Veranstaltung ‚Das pralle Leben‘ deutlich: der Wunsch, das eigene Leben frei und ohne Diskriminierung zu gestalten, war ein gemeinsamer. Die Lebenswege und –formen der Podiumsgäste waren hingegen sehr unterschiedlich. „Mein Leben mit Gott gibt mir Freiheit. Dafür kann ich auf vieles, was andere nicht entbehren mögen, gut verzichten“, erzählte Schwester Elisabeth, die seit fast einem halben Jahrhundert in einer evangelischen Gemeinschaft lebt. Mit Schwestern mehrerer Generationen, das bringe vielfältige Erfahrungen. In einer Mehrgenerationenkonstellation lebt auch Britta. Und nicht nur das. Ihr Beziehungsgeflecht beschrieb sie mit „Patchwork-Regenbogen- Mehrgenerationen-Fernbeziehungs-Familie“. Die 41-jährige Pastorin ist dankbar für diese Bereicherung. „Alle Menschen, die zu mir gehören und zu denen ich gehöre, und die Vielfalt, die sich daraus ergibt, sind existentiell für mein Leben. Ich möchte nichts davon missen.“ Was vermissen Menschen, die in weniger traditionellen Lebensformen verortet sind? Rainer ist 70, er hat jahrzehntelang in einer „ganz klassischen“ Ehe gelebt, bevor er sich outete und nun mit einem Mann zusammenlebt. „Mein größter Schmerz ist, dass es keinen Kontakt mehr zu meiner Tochter gibt.“ Eine Lücke, die sich durch nichts schließen lasse. „Ich bin nirgendwo zuhause. Das ist mein Lebensgefühl heute“, berichtet Steve nach abgeschlossener Geschlechtsumwandlung. Der Mittvierziger wurde als Mädchen geboren. Mit der Pubertät kamen die Zweifel. „Es war, als wenn ich im falschen Körper lebte. Alles, was mit Mädchen zu tun hatte, kam mir irgendwie verkehrt vor.“ „Kinder sollten früh lernen dürfen, dass es nicht nur Jungen und Mädchen gibt.“ Ursula hat eine intersexuelle Tochter, und die wollte Bücher lesen können, die ihrer Lebenswelt und ihren Erfahrungen nahe kommen. „Das war damals nicht möglich“, berichtet die 65-Jährige. Also beschloss sie, ihrem Kind selbst ein Buch zu schreiben. Sämtliche Verlage, die sie anfragte, winkten müde ab. Erschienen ist ‚Jill ist anders' dann im einem Verlag für Angler-Literatur. „Trotz eines allmählichen gesellschaftlichen Wandels werden Menschen, die anders sind, immer noch verletzt und diskriminiert. Nicht zuletzt durch Sprache.“ Ein großer Schritt wäre es aus Sicht der Kinderbuchautorin, wenn alle lernen würden, auf ihre Sprache zu achten, damit sich niemand mehr ausgeschlossen oder nicht wahrgenommen fühle.
gGmbH
aktuell
Das pralle Leben Gespräch in Wittenberg über Lebenswege und Lebensformen Ein Leben ohne Sex, kann das gelingen? Das war eine der Fragen, zu denen am 11. August in Wittenberg fünf Menschen von sich erzählt haben. Im Rahmen der Themenwoche Familie, Lebensformen und Gender machte die Veranstaltung ‚Das pralle Leben‘ deutlich: der Wunsch, das eigene Leben frei und ohne Diskriminierung zu gestalten, war ein gemeinsamer. Die Lebenswege und –formen der Podiumsgäste waren hingegen sehr unterschiedlich. „Mein Leben mit Gott gibt mir Freiheit. Dafür kann ich auf vieles, was andere nicht entbehren mögen, gut verzichten“, erzählte Schwester Elisabeth, die seit fast einem halben Jahrhundert in einer evangelischen Gemeinschaft lebt. Mit Schwestern mehrerer Generationen, das bringe vielfältige Erfahrungen. In einer Mehrgenerationenkonstellation lebt auch Britta. Und nicht nur das. Ihr Beziehungsgeflecht beschrieb sie mit „Patchwork-Regenbogen- Mehrgenerationen-Fernbeziehungs-Familie“. Die 41-jährige Pastorin ist dankbar für diese Bereicherung. „Alle Menschen, die zu mir gehören und zu denen ich gehöre, und die Vielfalt, die sich daraus ergibt, sind existentiell für mein Leben. Ich möchte nichts davon missen.“ Was vermissen Menschen, die in weniger traditionellen Lebensformen verortet sind? Rainer ist 70, er hat jahrzehntelang in einer „ganz klassischen“ Ehe gelebt, bevor er sich outete und nun mit einem Mann zusammenlebt. „Mein größter Schmerz ist, dass es keinen Kontakt mehr zu meiner Tochter gibt.“ Eine Lücke, die sich durch nichts schließen lasse. „Ich bin nirgendwo zuhause. Das ist mein Lebensgefühl heute“, berichtet Steve nach abgeschlossener Geschlechtsumwandlung. Der Mittvierziger wurde als Mädchen geboren. Mit der Pubertät kamen die Zweifel. „Es war, als wenn ich im falschen Körper lebte. Alles, was mit Mädchen zu tun hatte, kam mir irgendwie verkehrt vor.“ „Kinder sollten früh lernen dürfen, dass es nicht nur Jungen und Mädchen gibt.“ Ursula hat eine intersexuelle Tochter, und die wollte Bücher lesen können, die ihrer Lebenswelt und ihren Erfahrungen nahe kommen. „Das war damals nicht möglich“, berichtet die 65-Jährige. Also beschloss sie, ihrem Kind selbst ein Buch zu schreiben. Sämtliche Verlage, die sie anfragte, winkten müde ab. Erschienen ist ‚Jill ist anders' dann im einem Verlag für Angler-Literatur. „Trotz eines allmählichen gesellschaftlichen Wandels werden Menschen, die anders sind, immer noch verletzt und diskriminiert. Nicht zuletzt durch Sprache.“ Ein großer Schritt wäre es aus Sicht der Kinderbuchautorin, wenn alle lernen würden, auf ihre Sprache zu achten, damit sich niemand mehr ausgeschlossen oder nicht wahrgenommen fühle.
Reformationsjubiläum: Meldungen und Fotos zur Themenwoche “Familie, Lebensformen und Gender” des Ev. Zentrums Frauen und Männer in Wittenberg 2017 hier.
Single sein Hearing zum Single-Sein als Lebensform lim EKD- Kirchenamt ein. Mehr…
Leporello „Kirchenjahr für alle” die großen Feiertage neu entdecken – spielerisch und in wechselnden Geschlechterperspektiven. Hier anschauen. Dazu hier ein Artikel und ein Spiel.
Statement zu den EKD-Beschlüssen zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche: hier…